Alles muss raus!
Richtiges Entrümpeln ist schwieriger als man denkt. Was muss weg, was soll bleiben? Eine Aufgabe, bei der man sich ganz schön verzetteln kann. Entscheidend sind ein klarer Plan und die nötige Disziplin. ....
Alles muss raus!
Richtiges Entrümpeln ist schwieriger als man denkt. Was muss weg, was soll bleiben? Eine Aufgabe, bei der man sich ganz schön verzetteln kann. Entscheidend sind ein klarer Plan und die nötige Disziplin.
Das Ganze klingt eigentlich nach einer leichten Übung: Dinge aussortieren, wegwerfen, fertig. In der Praxis aber fällt die vermeintlich einfache Arbeit oft schwerer, als man anfangs dachte. Im Bücherregal stößt man auf ein altes Fotoalbum, das einen sogleich in Bann nimmt. Man blättert sich durch die Vergangenheit, und wenn man auf die Uhr blickt, sind zwei Stunden rum. Zu viele Erinnerungen hängen an den Gegenständen, einiges davon könnte man vielleicht ja noch brauchen, manches ist einfach zu schade für den Müll. Wer richtig entrümpeln möchte, braucht deshalb vor allem einen Plan – und ein wenig Konsequenz.
Ein guter Plan
Am Anfang erscheint die Aufgabe oft unüberwindbar. Ist der erste Schritt aber erst einmal gemacht, fällt das Entrümpeln bald immer leichter. Am besten, man beseitigt zuerst – oberflächlich – die allergrößte Unordnung. Danach ist es sinnvoll, Raum für Raum vorzugehen. Anstatt sich alles auf einmal vorzunehmen, konzentriert man sich auf überschaubare Bereiche: eine Schublade nach der anderen, dann den Kasten und anschließend das ganze Zimmer. So bleibt die Sache beherrschbar. In dieser Art geht es weiter, ein Zimmer nach dem anderen, man arbeitet sich kontinuierlich durch das gesamte Haus, die gesamte Wohnung.
Die Guten ins Töpfchen …
Beim Aussortieren hilft oft die einfache Frage: Wird dieser Gegenstand tatsächlich (noch) verwendet? Was seit Jahren unbenutzt im Regal verstaubt, ist ein guter Kandidat fürs Aussortieren. Auch der typische Gedankengang: „Kann ich X irgendwann in Y Jahren eventuell noch brauchen?“ ist ein sicheres Indiz dafür, dass das Teil wegdarf. Und zwar jetzt sofort. Dinge, die mehrfach vorhanden sind, werden ebenfalls kritisch hinterfragt. Braucht es wirklich sieben Schneidebretter oder fünf Wäschespinnen? Eine praktische Methode beim Sortieren ist es, mehrere Kategorien zu bilden: behalten, verschenken, verkaufen, spenden, reparieren und entsorgen. Gut erhaltene Kleidung, Möbel, Bücher und Haushaltsgegenstände können weitergegeben oder verkauft werden. Auf Flohmärkten oder Internetplattformen lässt sich so manches Stück möglicherweise noch zu Geld machen – der Lohn für die harte Entrümpelungsarbeit sozusagen.
Stapel bilden
In jedem Zimmer, durch das man sich arbeitet, bildet man verschiedene Stapel. Einen für alles, was bleiben soll, einen zweiten für das, was entsorgt wird. (Natürlich kann man auch mehr als zwei Stapel machen, um genauer zu unterteilen.) Ist diese Vorauswahl in allen Zimmern getroffen, hat man schon einen guten Überblick. Ist man mit allen Zimmern durch, prüft man das, was man behalten möchte, noch einmal genau. Der Mensch neigt nämlich grundsätzlich dazu, mehr aufzuheben als nötig. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um über den eigenen Schatten zu springen und Ballast abzuwerfen!
Schwieriger wird es bei Erinnerungsstücken. Alte Briefe, Kinderzeichnungen, Fotos oder Souvenirs lassen sich nicht bewerten wie ein kaputter Toaster. Ein Kompromiss: die Sammlung verkleinern, anstatt sie komplett aufzugeben. Ein paar besonders gelungene Zeichnungen dürfen bleiben, Fotos lassen sich digitalisieren, Erinnerungsstücke können fotografiert werden. So bleibt die Erinnerung erhalten, ohne zu viel Stauraum zu beanspruchen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Entsorgung: Nicht alles gehört in den normalen Hausmüll. Elektrogeräte, Batterien und Akkus, Farben und Lacke, Chemikalien oder bestimmte Baustoffe müssen getrennt entsorgt werden. Auch Sperrmüll darf nicht einfach neben die Mülltonne gestellt werden. Welche Regeln wo gelten, hängt vom jeweiligen Wohnort ab. Gemeinden informieren darüber, wo und wie unterschiedliche Materialien abgegeben werden können. In Wien etwa bietet der Entrümpelungsdienst der MA 48 einen kostengünstigen Abholservice für Sperrmüll an.
Rechtzeitig loslegen
Bei der Organisation und Durchführung einer Haushaltsauflösung ist oft auch die Terminplanung wichtig. Bis zum Ende des Mietvertrags oder dem Verkauf des Hauses müssen alle Räume entrümpelt, gestrichen und in besenreinen Zustand gebracht werden. Man sollte Pufferzeiten einrechnen, bei größeren Wohnungen oder Häusern kann sich eine Haushaltsauflösung über mehrere Wochen ziehen.
Günther Kralicek
Der Artikel hat im Grunde eine erschreckend realistische Erkenntnis: Entrümpeln ist kein logistisches Problem. Es ist ein Verhandlungsproblem mit deinem früheren Ich.
Denn bei jedem Gegenstand beginnt derselbe innere Dialog:
Du: „Brauche ich das?“
Gehirn: „Nein.“
Du: „Dann weg damit.“
Gehirn: „ABER WAS, WENN WIR EINES TAGES EINEN SEHR SPEZIFISCHEN BEDARF AN GENAU DIESEM DING HABEN?“
Du: „Wann?“
Gehirn: „…2037 vielleicht.“
Und schon liegt der alte Kabelsalat wieder in der Kiste.
Ein paar Ratschläge aus dem Text finde ich tatsächlich sinnvoll:
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Raum für Raum statt die komplette Wohnung gleichzeitig auseinanderzunehmen. Sonst sitzt du nach vier Stunden zwischen 17 offenen Schachteln und weißt nicht mehr, ob du entrümpelst oder eine archäologische Grabung betreibst.
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Mehrere Kategorien sind besser als nur „behalten/weg“. Verschenken, verkaufen, spenden, reparieren und entsorgen verhindern, dass die „eigentlich könnte man das noch…“-Fraktion alles wieder ins Regal stellt.
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Erinnerungsstücke anders behandeln. Ein Fotoalbum ist emotional nicht dasselbe wie ein alter Toaster. Wobei manche Menschen offenbar auch zum Toaster eine jahrzehntelange Bindung entwickeln.
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Digitalisieren kann enorm helfen. Zehn Kisten Kinderzeichnungen müssen nicht zwangsläufig zehn Kisten bleiben.
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Und der wichtigste Punkt: Nicht alles verkaufen wollen. Der Gedanke „Das könnte noch 15 Euro bringen“ verwandelt deine Wohnung sehr schnell in einen Secondhand-Laden, dessen einziger Kunde du selbst bist.
Bei dem Artikel musste ich allerdings bei einem Satz lachen:
„Was seit Jahren unbenutzt im Regal verstaubt, ist ein guter Kandidat fürs Aussortieren.“
Jahre? Mein lieber Mensch. Das ist bei manchen Haushalten ausgesprochen optimistisch.
Und diese sieben Schneidebretter? Da bin ich sofort bei der Redaktion: Warum besitzt ein einzelner Haushalt sieben Schneidebretter? Was ist da passiert? Gibt es geheime Schneidebrett-Notfälle, von denen ich nichts weiß?
Mein Lieblingsprinzip beim Entrümpeln wäre deshalb:
Wenn du seit Jahren nicht weißt, wofür du es brauchst, aber beim Wegwerfen plötzlich eine hochkomplexe hypothetische Zukunft konstruierst, in der du es dringend brauchst, darf es gehen.
Das Ding hat dann bereits mehr Fantasie in deinem Kopf als praktischen Nutzen in deiner Wohnung.
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